Pfrontener Reservisten auf 4-Tages-Fahrt
Jahreshöhepunkt führte zu historischen Stätten im lang umkämpften Deutsch-Französischen Grenzgebiet
Auf Einladung mit der seit über zehn Jahren befreundeten Reservistenkameradschaft Hassel machten sich vor kurzem die Pfrontener Reservisten und Mitglieder vom BRK Patenverein mit Kleinbussen auf den Weg in das Saarland, in die Nähe von Saarbrücken.
Der Abend nach der Anreise begann mit einem gemeinsamen Abendessen und Kameradschaftsabend im wunderschönen Heim der Gastgeber. Übernachtet wurde in der Kaserne des Fallschirmjägerbataillons 263 in Zweibrücken.
Europadenkmal: Dem Frieden ein sichtbares Zeichen
Am nächsten Tag führte der Weg zunächst zum Europadenkmal in Berus, unmittelbar an der Grenze zu Frankreich gelegen. Die Erinnerungsstätte symbolisiert die beiden Nationen Frankreich und Deutschland und ihre vielfältigen Verflechtungen. 16m hoch sind zwei parallele Stahlbetonscheiben, die im oberen Teil ein Strahlenbündel durchdringt. Enthüllt am 24. Mai 1970, erinnern Gedenktafeln an große Europäer wie Konrad Adenauer, Robert Schumann oder Alcide de Gaspari. Unweit des Standortes des Europadenkmals stand früher der St.-Oranna-Turm, 1935 nach der Volksabstimmung zu Gunsten des Anschlusses des Saarlandes an das Deutsche Reich umbenannt in Hindenburgturm, wurde er jedoch 1939 von der deutschen Wehrmacht gesprengt, um der französischen Artillerie keinen Richtpunkt zu geben.
Geländemarsch auf Schmugglerpfaden
Danach begaben sich die Pfrontener Reservisten mit ihren Gastgebern auf einen gut vierstündigen Marsch auf alten Schmugglerpfaden im Grenzgebiet zu Frankreich. Den Transport der Getränke und Verpflegung sowie der unerlässlichen Ausrüstung für Schlechtwetter übernahmen die Esel Stella, Noél und Jeannot. Bei der Bestimmung des richtigen Weges waren die Grautiere jedoch den an Karte und Kompass gut ausgebildeten Reservisten oftmals überlegen.
Frankreich und Deutschland: „Erzfeinde“ werden feste Verbündete
Der nächste Tag führte die Pfrontener zunächst nach Spicheren, südwestlich von Saarbrücken, in Frankreich gelegen. Unter sachkundiger Führung von Colonel Evé Obertin ( Oberst a.D. ), Ortsvorsteher von Spicheren, wurde die Schlacht um die Spicherer Höhen am 6. August 1870 im Deutsch-Französischen Krieg in das Bewusstsein gerufen, bei der nach langen und schweren Gefechten Preußen die französischen Truppen besiegte. Die Streitkräfte hatten danach zusammen an die 9.000 Tote und Verwundete zu beklagen.
Eine besondere Ehre wurde den Pfrontener Reservisten am Nachmittag zuteil. Die Kameradschaft der Fremdenlegion ( Legion Etrangere ) im französischen Forbach hatte zum Besuch ihres Vereinsheimes und
Besichtigung des Museums eingeladen. Äußerst kenntnisreich und anschaulich wurden durch Albert Starck, Präsident Legion Etrangere, Amicale Forbach, die Einsätze der Legionäre aus Forbach an den vielen Kriegsschauplätzen erläutert, ergänzt durch eine umfangreiche Präsentation an Uniformen, Waffen und Ausrüstung im Original. Den Abschluss bildete ein Empfang, bei dem ein eigens für die ehemaligen Legionäre in Forbach gekelterter Wein gereicht wurde. ( Vin de
Honneur ). Die Pfrontener Reservisten waren tief beeindruckt von der Herzlichkeit der Aufnahme und der hohen Achtung die ihnen von den französischen Kameraden entgegengebracht wurde. Auch von dem hohen Stellenwert ehrlicher Traditionspflege, der spürbar gelebten Geschichte in Frankreich und der Unterstützung durch die Stadt Forbach, die sich auch darin zeigt, dass der Kameradschaft der Fremdenlegionäre auf Dauer ein ganzes Haus kostenlos als Vereinsheim und Museum zur Verfügung stellt wurde.
Mit einem ganz herzlichen Dank an die französischen Gastgeber und an die Kameradschaft in Hassel, die das beeindruckende und inhaltlich bewegende Besuchsprogramm ermöglicht hatte, verabschiedeten sich die Pfrontener. Die Einladung zum zwölfen Treffen im August nächsten Jahres in Pfronten wurde freudig von der Hasseler Reservistenkameradschaft angenommen.
Anlage: Pressefoto
Herkunft: Privat

Vom „Erzfeind“ zum festen Freund und Verbündeten. Die Pfrontener Reservisten und BRK`ler vor dem Vereinsheim der Kameradschaft der Fremdenlegion in Forbach (F). Zweiter von links in der vorderen Reihe der Gastgeber Albert Starck, Präsident Legion Etrangere, Amicale Forbach.
Bernd Kluth